Programm
Mitwirkende
tiefsaits: About Anna – musikalische Begegnungen mit Anna von Dänemark
Musik des 16. Jahrhunderts zeichnet in diesem Gambentrio-Programm die Lebensstationen der dänischen Prinzessin Anna von Dänemark (1532–1585) nach, die als Kurfürstin von Sachsen unter dem Namen „Mutter Anna“ zu einer der bedeutendsten Frauen ihrer Zeit wurde. Klug, tatkräftig und politisch einflussreich, prägte sie den sächsischen Hof so nachhaltig, dass Zeitgenossen bereits von einer „Weiberherrschaft“ spotteten.
Die musikalische Reise beginnt am dänischen Hof, wo Anna als Tochter Christians III. aufwuchs. Während sie in Heilkräuterkunde, Landwirtschaft und Hauswesen unterrichtet wurde, entwickelte sich Kopenhagen zu einem Zentrum der europäischen Musikkultur. Werke von Mogens Pederson, Hans Brachrogge, Truid Aagesen und Jan Tollius spiegeln den engen Austausch mit der italienischen Renaissance wider.
1548 heiratete Anna August von Sachsen in Torgau. Die harmonische Ehe führte sie in das geistige Zentrum der Reformation, wo Johann Walther die protestantische Kirchenmusik entscheidend prägte. Geistliche und weltliche Werke aus diesem Umfeld begleiten den zweiten Teil des Programms.
In Dresden und Freiberg entfaltete Anna schließlich ihre außergewöhnliche Vielseitigkeit. Sie förderte Landwirtschaft, Medizin und Pharmazie, richtete Labore ein, sammelte Heilrezepte und engagierte sich für Kranke sowie die Ausbildung von Hebammen. 1585 starb sie an der Pest und wurde im Freiberger Dom beigesetzt.
Den musikalischen Abschluss bilden Werke aus ihrem Dresdner und Freiberger Umfeld. Wie bereits am dänischen Hof begegnen uns auch hier die Einflüsse der italienischen und frankoflämischen Renaissance – ein Bogen, der sich durch Annas Lebensweg auf eindrucksvolle Weise spannt.
Alta Bellezza: Der Rabe und der Löwe – Matthias Corvinus und Jiří z Poděbrad im Streit um Böhmen
Es waren bewegte Zeiten im Böhmen des 15. Jahrhunderts. Die Verurteilung und Verbrennung des böhmischen Reformators Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil konnte die religiöse Bewegung der Hussiten keinesfalls aufhalten und eine Reihe von militärischen Konflikten, die wir heute die Hussitenkriege nennen, erschütterten Böhmen und die angrenzenden Regionen.
Alta Bellezza folgt den musikalischen Spuren von zwei der schillerndsten Charaktere dieser Zeit, zwischen denen es um die Mitte des 15. Jahrhunderts zu einem verworrenen Kampf um die böhmische Krone kommt: auf der päpstlichen Seite Matthias Corvinus, König von Ungarn, und Georg von Podiebrad, Anhänger der Hussiten, ehemaliger Schwiegervater von Corvinus, der zu dessen stärkstem Widersacher in Böhmen wird.
Das Wissen über die ausgeprägte Renaissance-Kultur an Corvinus‘ Hof sowie musikalische Quellen aus dem hussitischen Umfeld machen es möglich, sich diesen Ereignissen musikalisch zu nähern. Die Alta Capella war fester Bestandteil von jeglichem höfischen Zeremoniell von Feldzug bis Krönung und war auch aus der höfischen Kultur mit Kunst- und Tanzmusik nicht wegzudenken. Die Musikerinnen und Musiker spielen Musik, wie man sie am kosmopolitischen Hof von Corvinus und seiner Frau Beatrix von Aragon gehört hat, sowie bisher kaum erschlossene Musik aus böhmischen Quellen dieser Zeit.

