Programm
Mitwirkende
Kuratorin Dr. Claudia Kanowski und ein Trio italienischer Musiker:innen führen die Besucher:innen durch die venezianische Glassammlung des Kunstgewerbemuseums. Die musikalische Führung verbindet einen besonderen Schatz der Renaissance mit der Musik seiner Zeit und lässt beides in einen lebendigen Dialog treten.
Transparent, zerbrechlich, zuweilen scharf: Das Herz der Renaissance-Frottolen öffnet sich dem Blick wie ein Fenster zur Seele. In der Liebeslyrik des frühen 16. Jahrhunderts erscheint das Herz als Kristall, durchdrungen von Licht und Sehnsucht; es zerbricht unter der Last unerwiderter Leidenschaft oder erweist sich als hart und undurchdringlich.
Aus diesem Bildergewebe entsteht Cor di Cristallo, eine musikalische Reise durch die italienischen Frottolen, die Ottaviano Petrucci in Venedig gedruckt hat, und die symbolische Welt des Renaissanceglases, die ihren Klang umgibt. Aufgeführt mit Gesang, Laute und Percussion, evozieren diese Stücke ein ständiges Wechselbad zwischen Tanz und Melancholie, Leichtigkeit und Wunde. Was glänzt, birgt immer die Möglichkeit des Zerbrechens.
Neben den Liebesliedern tauchen weitere Symbole der Zerbrechlichkeit der Renaissance auf: das Schicksal, wandelbar und unbeständig wie Glas; Tränen, die winzigen Kristallen gleichen; und die fließende Präsenz des Wassers selbst, die an Venedig erinnert, eine Stadt der Spiegelungen, Transparenzen und sich wandelnden Oberflächen. In den Galerien, die dem Glas der Renaissance gewidmet sind, spiegeln sich Musik und Material gegenseitig wider. Die Transparenz des Kristalls trifft auf die der Stimme; die Zartheit der ausgestellten Objekte erinnert an die Zerbrechlichkeit der in der Musik besungenen Gefühle. Das Konzert wird so zu einem Raum der Reflexionen und Brüche, zu einem Fenster, das sich der poetischen Vorstellungskraft der Renaissance und der leuchtenden Zerbrechlichkeit des menschlichen Herzens öffnet.

